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im Landkreis Miltenberg

Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 23. Februar 2012
 

Faltblatt mit
Informationen für Betroffene
bei belastenden Ereignissen
(PDF)

Ein paar Links:

www.notfallseelsorge.de
www.notfallseelsorge-bayern.de
www.einsatzkraft.de

Termine:

Montag, 26. März 2012
20:00 Uhr
Treffen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landkreis Miltenberg Pfarrhaus Wörth
Freitag, 30. März 2012
09:00 Uhr
Treffen der Dekanatsbeauftragten Untermain Pfarrhaus Wörth
Mittwoch, 23. Mai 2012
08:30 Uhr
Fortbildungstag der Notfallseelsorge am bayerischen Untermain (Aschaffenburg Stadt und Land; Miltenberg):

„Unsicherheit, Hilflosigkeit und Fragen
im Umgang mit einer fremden Welt –
Strategien für verschiedene Milieus, Kulturen, Religionen und Ethnien“

Herzliche Einladung an alle Mitglieder von "Blaulicht-Organisationen" aus Nah und Fern.

Zur Ausschreibung und Anmeldung

Pfarrzentrum St. Nikolaus, Wörth
     
     

Einsatzstatistik der Notfallseelsorge und des KID des BRK im Landkreis Miltenberg

Jahr Einsätze gesamt Einsatzzeit Anforderung durch (Abweichung von Gesamteinsätzen möglich)
Polizei Prozent Rettung Prozent Feuerwehr Prozent Sonstige Prozent
1999 20 35:05:00 6 30,0% 11 55,0% 2 10,0% 1 5,00%
2000 18 19:50:00 7 38,9% 8 44,4% 1 5,6% 2 11,11%
2001 24 35:00:00 11 45,8% 11 45,8% 2 8,3% 1 4,17%
2002 12 27:35:00 6 50,0% 3 25,0% 1 8,3% 2 16,67%
2003 22 39:40:00 6 27,3% 10 45,5% 4 18,2% 3 13,64%
2004 38 64:50:00 19 50,0% 13 34,2% 3 7,9% 5 13,16%
2005 43 74:40:00 14 32,6% 21 48,8% 2 4,7% 6 13,95%
2006 40 58:30:00 14 35,0% 21 52,5% 1 2,5% 8 20,00%
2007 45 82:40:00 21 46,7% 19 42,2% 3 6,7% 4 8,89%
2008 48 106:50:00 16 33,3% 20 41,7% 2 4,2% 8 16,67%
2009 48 133:45:00 8 16,7% 32 66,7% 1 2,1% 8 16,67%
2010 71 168:45:00 11 15,5% 44 62,0% 2 2,8% 18 25,35%
2011 74 175:30:00 14 18,9% 48 64,9% 3 4,1% 10 13,51%
2012 11 28:20:00 8 72,7% 3 27,3% 0 0,0% 1 9,09%
SUMME 514 1051:00:00 161 31,3% 264 51,4% 27 5,3% 77 14,98%

Einsatzstatistik nach Orten
1999-2011 

Ort

Einsätze

2011

Altenbuch

2

 

Amorbach

9

2

Amorbach-Boxbrunn

3

1

Amorbach-Neudorf

2

 

Aschaffenburg

9

1

Aschaffenburg-Obernau

3

 

Bessenbach

1

 

Bürgstadt

12

2

Collenberg

6

1

Collenberg-Kirschfurt

1

 

Dammbach

1

 

Dorfprozelten

5

1

Eichenbühl

9

5

Eichenbühl-Heppdiel

1

1

Elsenfeld

21

3

Elsenfeld-Eichelsbach

2

 

Elsenfeld-Rück-Schippach

7

 

Erlenbach

40

4

Erlenbach-Mechenhard

8

 

Erlenbach-Streit

4

2

Eschau

17

2

Eschau-Hobbach

3

 

Eschau-Sommerau

2

 

Eschau-Wildensee

2

 

Faulbach

6

 

Faulbach-Breitenbrunn

1

 

Freudenberg

1

 

Großheubach

17

 

Großostheim-Pflaumheim

1

 

Großwallstadt

16

3

Hausen

8

1

Heigenbrücken

1

 

Kirchzell

3

 

Kirchzell-Breitenbuch

2

 

Kirchzell-Buch

1

 

Kleinheubach

14

2

Kleinwallstadt

25

2

Kleinwallstadt-Eichelsbach

2

 

Klingenberg

22

1

Klingenberg-Röllfeld

4

1

Klingenberg-Trennfurt

16

 

Kreuzwertheim

1

 

Laudenbach

9

 

Laufach

1

 

Leidersbach

7

1

Leidersbach-Ebersbach

3

1

Leidersbach-Rossbach

5

1

Leidersbach-Volkersbrunn

4

 

Lützelbach-Seckmauern

2

 

Mainaschaff

1

 

Miltenberg

36

5

Miltenberg-Breitendiel

8

1

Miltenberg-Mainbullau

1

1

Miltenberg-Schippach

1

 

Mömlingen

21

7

Mönchberg

12

 

Neuenbuch-Hofthiergarten

1

 

Neunkirchen

3

 

Neunkirchen-Richelbach

2

1

Neunkirchen-Umpfenbach

3

1

Niedernberg

17

 

Obernburg

37

6

Obernburg-Eisenbach

16

3

Riedern

1

 

Röllbach

7

3

Rüdenau

3

 

Schneeberg

5

1

Schneeberg-Zittenfelden

1

1

Stadtprozelten

2

 

Sulzbach

23

3

Sulzbach-Dornau

5

1

Weilbach

6

 

Weilbach-Weckbach

1

 

Wörth

42

7

Würzburg

1

 


 

 

2010

2011

Häusliche Einsätze

35

38

Außerhäusliche Einsätze

36

36

 

(Stand vom 23.02.2012)

Artikel des Main-Echo / Regionales
vom 22. November 2010

Notfallseelsorger kümmern sich um schockierte Fußgänger

Nach tödlichem Unfall zwischen Eschau und Wildenstein

Am Tag danach will Wolfgang Schultheis über seinen Einsatz am Samstagabend nach dem schweren Unfall zwischen Eschau und Wildenstein nicht viele Worte verlieren: »Da zu sein für die betroffenen Familien, das ist unser Auftrag«, sagt der Notfallseelsorger, der als katholischer Pfarrer in Wörth tätig ist. Ein betrunkener 25-Jähriger - der Atemalkoholwert lag nach Polizeiangaben bei 1,6 Promille - war am frühen Samstagabend auf der schmalen Ortsverbindungsstraße in eine sechsköpfige Fußgängergruppe gefahren:

Ein Mann stirbt, seine Ehefrau wird schwer, eine weitere Fußgängerin leicht verletzt. Eine 27-Jährige aus der Gruppe kommt mit einem Schock in die Klinik.

»Das ist für alle eine außerordentlich dramatische Situation«, sagt Pfarrer Schultheis. Auch Polizeisprecher Michael Zimmer war vor Ort: »Die Zeugen waren komplett durch den Wind, der Fahrer war fix und fertig. Das ist in solchen Ausnahmesituationen normal.« In dieser Phase könne mancher Betroffene nicht einmal die Frage nach seinem Namen beantworten, schildert Polizeikommissar Zimmer die typische Lage an Unfallstellen.

Deshalb dauere es manchmal Tage und Wochen, bis die Polizei anhand verwertbarer Aussagen ein Bild des Unfallhergangs nachzeichnen könne. Führerschein sichergestellt So blieben gestern die meisten Fragen offen: Nicht bestätigen wollte die Polizei etwa die Information, dass die Fußgängergruppe, die mit Fackeln ausgerüstet war, auf dem Heimweg von einem Lakefleischessen gewesen sei.

Auch zum Unfallhergang gab es keine präzisen Angaben. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Aschaffenburg hatte am Samstagabend einen Sachverständigen eingeschaltet, um die exakten Umstände zu klären. Der genaue Alkoholwert des Fahrers wird mit einer Blutprobe geklärt, seinen Führerschein hat die Polizei eingezogen. Notfallseelsorger müssen unmittelbar nach einem solchen Unfall die richtigen Worte finden und zuhören - um dafür zu sorgen, dass sich Angehörige der Opfer, Zeugen und Hilfskräfte mit ihrer Trauer und Betroffenheit nicht allein gelassen fühlen.

Pfarrer Schultheis war dafür gemeinsam mit zwei weiteren Notfallseelsorgern im Einsatz - unter anderem bei der Nachbesprechung der Eschauer Feuerwehr. »Es ist immer besonders schwer, wenn man die Betroffenen und ihre Familien kennt«, sagte der Eschauer Feuerwehr-Kommandant Oliver Hegemer gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Sowohl der Unfallfahrer als auch ein Teil der Fußgängergruppe sollen aus Eschau kommen, die anderen Fußgänger stammen aus Nordrhein-Westfalen und waren im Kreis Miltenberg zu Besuch. 50 Feuerwehrleute aus Eschau, Wörth und Hobbach leuchteten am Samstagabend die Unfallstelle aus und halfen der Polizei beim Verkehrregeln. Um die Verletzten kümmerten sich der Rettungsdienst und die Notärzte. »Besonders nervenaufreibend ist für uns die lange Zeit, in der wir auf den Sachverständigen warten müssen«, sagt der Eschauer Kommandant Hegemer.

Um die Belastung zu bewältigen, haben sich die eingesetzten Helfer aus Eschau nach dem Einsatz noch einmal für eine Nachbesprechung zusammengesetzt - der erste Schritt, um die Erfahrungen dieser Nacht verarbeiten zu können. Polizeisprecher Zimmer ist sich sicher, dass die Eindrücke eines solchen Unfalls nicht in den Einsatzkleidern hängen bleiben: »Natürlich machen vor Ort alle Beteiligten professionell ihre Arbeit - das war auch in Eschau so.« Aber mit etwas Abstand, sagt Zimmer, kommen die Bilder und Gedanken, die sich nicht einfach beiseite schieben lassen.

Das Erlebte müsse aufgearbeitet werden - manchmal auch mit professioneller Hilfe. Angebote machen Auch Notfallseelsorger Schultheis weiß, dass sich die Unterstützung der Angehörigen, Zeugen und Hilfskräfte nicht nur auf die ersten Stunden nach dem Unfall beschränken darf. »Wir machen Angebote und versuchen, die Betroffenen an die entsprechenden Stellen weiterzuvermitteln«, berichtet der katholische Pfarrer. Es ist für ihn und seine Kollegen in der Notfallseelsorger selbstverständlich, dass sie auch persönlich nach dem Einsatz zur Verfügung stehen: »Natürlich lasse ich meine Telefonnummer da für den Fall, dass mich jemand braucht.« msc

Artikel des Main-Echo / Lokalausgabe Obernburg
vom 24. September 2008

Zuhören, das Schweigen aushalten, einfach für Menschen da sein
Notfallseelsorge: Pfarrer Christoph Schürmann stellt die Aufgaben der Einsatzkräfte vor - Voraussetzung ist eine gründliche Vorbereitung
 

Teddy und Gummibärchen gehören zur Ausrüstung der Notfallseelsorger, so Pfarrer Christoph Schürmann. Elsenfeld "Jeder wünscht sich, dass er ihn nie braucht, aber wenn er ihn braucht, dann ist es ein Segen, dass es ihn gibt." Einer der Zuhörer sprach nach gut 90 Minuten Vortrag im evangelische Gemeindehaus Elsenfeld aus, was die meisten dachten. Pfarrer Christoph Schürmann aus Laufach hatte engagiert und informativ über das Thema "Erste Hilfe für die Seele. Ökumenische Notfallseelsorge am Untermain" gesprochen.

Beistand für Opfer und Helfer
An diesem Abend wurde klar: Man müsste die Notfallseelsorge erfinden, wenn es sie nicht schon seit 20 Jahren gäbe. Den Anstoß hatte damals die Katastrophe von Rammstein gegeben, bei der deutlich wurde, dass bei solchen Katastrophen medizinische Hilfe allein nicht reicht, dass die Betroffenen, Verletzten, Angehörigen, aber auch die Einsatzkräfte oft tiefe psychische Traumatisierungen erleben, die das ganze Leben verändern können. Zu etwa 50 bis 80 Einsätzen werden die Notfallseelsorger im Landkreis Aschaffenburg pro Jahr gerufen, und das bewältigen sie mit immerhin 25 evangelischen und katholischen Geistlichen, aber auch Ehrenamtlichen.

Weitere Mitarbeiter gesucht
"Wir sind gut besetzt", urteilte Schürmann, der feststellen musste, dass die Situation im Landkreis Miltenberg nicht ganz so gut aussieht. Durch zahlreiche Versetzungen in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Notfallseelsorger hier auf ein knappes Dutzend geschrumpft.

Von noch weniger Helfern geht die Internet-Homepage aus Wörth aus, auf der die aktuellen Einsatzzahlen im Kreis Miltenberg veröffentlicht werden. Pfarrer Hans Burkhardt auf evangelischer und Pfarrer Wolfgang Schultheis auf katholischer Seite tragen hier die Hauptlast.

Der Ruf des Referenten nach Ehrenamtlichen stieß zumindest unter den Zuhörern in Elsenfeld auf großes Interesse. Ohne eine gründliche Ausbildung allerdings würde Christoph Schürmann, der im Landkreis Aschaffenburg seit der Gründung der Notfallseelsorgeeinrichtung vor zehn Jahren mit dabei ist, niemanden in sein Team aufnehmen. Und diese Vorbereitung ist unverzichtbar, wenn man die Aufgaben bewältigen will, die auf einen Notfallseelsorger warten, sobald er durch die Rettungsleitstelle zu einem Einsatz gerufen wird.

Bei Unfall oder Suizid
Ob es um einen schweren Unfall geht, bei dem Verletzte oder Angehörige betreut werden müssen, ob eine Todesnachricht überbracht werden muss - wobei die Notfallseelsorger die dazu verpflichteten Polizeibeamten begleiten -, ob es sich um einen Suizid handelt oder um einen plötzlichen häuslichen Todesfall (immerhin 80 Prozent der Einsätze): Ohne gründliche Vorbereitung, ohne Kenntnisse in Psychologie und ohne ein Grundwissen in Sachen Traumata könnte ein Notfallseelsorger seine Aufgaben kaum erfüllen. Das Wichtigste sei es, zuhören zu können, das Schweigen auszuhalten, auf vorschnelle Lösungsversuche zu verzichten und einfach für die Menschen da zu sein. Praktische Hilfen müssten natürlich hinzu kommen, entscheidend aber sei das sensible Eingehen auf die jeweilige Situation und auf die Verfassung der Betroffenen.

"Seltsame Konkurrenz"
Schürmann erzählte von Erlebnissen, die bei den Zuhörern Kopfschütteln hervorriefen. Dass alle Notfallseelsorger stets ihre offiziellen Ausweise bei Einsätzen dabei haben müssen, begründete er mit einer "seltsamen Konkurrenz": Schon mehrfach kam es vor, dass bei seinem Eintreffen schon ein "Notfallseelsorger" da war - mal jemand vom Universellen Leben, mal ein Scientologe.

Sehr gut funktioniert dagegen am Untermain offensichtlich die Ökumene. Evangelische und katholische Geistliche stehen bereit, wenn jemand die Rettungsleitstelle im Landkreis Miltenberg - Tel. 06022/19222 - anruft und um einen Notfallseelsorger bittet. Heinz Linduschka
 

Artikel des Main-Echo / Heimat- und Lokalteil
vom 21. Juli 2006

Mit Teddy zur Unfallstelle
Übung der ökumenischen Notfallseelsorge in Laufach

Laufach. (Kreis Aschaffenburg). Großalarm für die Notfallseelsorge: Zu einer Übung wurden gestern erstmals Seelsorger der beiden großen Kirchen am Untermain nach Laufach gerufen. Ziel war die Überprüfung der Alarmierungswege und der Einsatzfähigkeit im Großschadensfall.

Das angenommene Szenario sah einen Unfall mit einem Ausflugsbus voll mit Schülern auf der B26 bei Laufach vor. Um 10.12 Uhr wurde der Alarm über die Rettungsleitstelle gegeben, gut eine Stunde später waren 13 Notfall-Seelsorger am Laufacher Feuerwehrhaus eingetroffen, um die vermeintlichen Unfallopfer und ihre Angehörigen zu betreuen.

Darunter waren sowohl evangelische als auch katholische Geistliche von Alzenau (Kreis Aschaffenburg) bis Kleinheubach (Kreis Miltenberg). Verantwortlich für den Einsatz war Christoph Schürmann, evangelischer Pfarrer in Laufach. Er zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Mit den mobilisierten Seelsorgern könne man die angenommene Zahl von 100 Menschen zwei bis drei Stunden versorgen. Auch die Einsatzkräfte bekommen einen Seelsorger an die Seite gestellt: Dr. Joachim Brinkmann aus Heigenbrücken (Kreis Aschaffenburg) kümmert sich im Ernstfall um die Helfer.

Etwa 30 ausgebildete Notfallseelsorger stehen für Stadt und Kreis Aschaffenburg sowie den Kreis Miltenberg zur Verfügung. Sie sind mit einem »Piepser« ausgerüstet und sollen im Wechsel rund um die Uhr für den Einsatz zur Verfügung stehen. Dabei betreuen sie Menschen nach belastenden Ereignissen - zum Beispiel nach einem plötzlichem Tod oder Suizid eines Angehörigen sowie nach Unfällen. Gegründet wurde der Dienst 1998. Insgesamt gibt es rund 60 Einsätze im Jahr mit steigender Tendenz.

In der Nachbesprechung wurde die Übung kritisch beleuchtet. Ein wichtiger Punkt war die Ausrüstung der Seelsorger: Nicht nur die hellgelben Notfall-Westen der Betreuer mit dunkelblauem Logo und gelbem Kreuz müssen dabei sein, auch festes Schuhwerk sollte immer im Kofferraum liegen. Und für den Einsatz bei Kindern empfiehlt es sich, immer ein paar Teddybären dabei zu haben. tig
Artikel des Main-Echo / Lokalausgabe Obernburg
vom 5. November 2005
 
Bier und Schnaps gegen Bilder vom Tod?

Belastende Einsätze für Mitglieder von Feuerwehr, THW und Rotem Kreuz

Obernburg. Leidersbach vor drei Jahren: Ein Auto überschlägt sich, der Fahrer stirbt blutüberströmt hinterm Steuer. Solche Unfälle gehen auch den Helfenden an die Nieren. Bei der Verarbeitung solcher Ereignissen werden sie von Notfallseelsorgern begleitet. Für die Einsatzkräfte gibt es Schulungen, in denen sie eine Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen (SBE) lernen.

»Besonders für die jugendlichen Feuerwehrleute war der schwere Unfall vor drei Jahren problematisch«, erinnert sich Ernst Spinnler von der Leidersbacher Feuerwehr. »Für Viele war es das erste Mal, dass sie beim Einsatz miterleben mussten, dass jemand stirbt«.

Seit diesem tragischen Unfall hat es sich Spinnler, der bei der Kreisbrandinspektion für Leidersbach, Sulzbach und Hausen zuständig ist, zur Aufgabe gemacht, sich mit um die Bewältigung seelisch belastender Einsätze zu kümmern. Dazu besuchte er Lehrgänge bei der Feuerwehrschule in Würzburg und auf Landkreisebene.

»Der Landkreis versucht, das Thema Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen mit anzuschieben und zu koordinieren«, so Reinhold Koch, Leiter des Sachgebiets Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt. Grundlegend sei, dass die Führungskräfte die Einsätze mit allen Beteiligten nachbesprechen, damit jeder den gleichen Informationsstand und ein komplettes Bild vom Einsatz hat. Zudem gebe es - bevor Psychologen eingesetzt werden müssen - bei manchen Hilfsorganisationen so genannte Peers, die für die Nachbereitung von seelisch belastenden Einsätzen besonders geschult sind.

Drei Peers im Landkreis

Die Feuerwehr im Landkreis hat inzwischen drei Peers: Andreas Haak (Kleinwallstadt), Stefan Adrian (Großwallstadt) und Christine Wacker (Erlenbach). Im südlichen Landkreis gibt es noch keinen Peer. »Peer heißt grob übersetzt einer von uns«, erklärt Andreas Haak (siehe Interview). Peers sind psychologisch geschulte Menschen, die aus einer Hilfsorganisation kommen und deren Einsatzmethoden kennen.

Haak, der seit 30 Jahren bei der Feuerwehr ist, fand nach aufwühlenden Einsätzen die landläufige Empfehlung »Trink? zwei Bier und ?n Schnaps, dann is? schon wieder gut« ungenügend. Deshalb ließ er sich auf der Feuerwehrschule in Geretsried zum Peer ausbilden. Bei der SBE-Ausbildung, die er im vergangenen Jahr abgeschlossen hat, werden unter anderem Kenntnisse über Stressmanagement, Psychotraumatologie, Persönlichkeitsstrukturen und Gruppendynamik vermittelt.

Emotional belastende Einsätze seien Unfälle und Brände mit Toten, Kindern oder Bekannten, erzählt Haak. Dabei hätten meist junge Einsatzkräfte Probleme bei der Verarbeitung. Deshalb lassen die Einsatzleiter bei schlimm aussehenden Unfällen nur die »alte Hasen« vor, erläutert der Wörther Feuerwehrkommandant Josef Vornberger. Aber auch die könnten von einem solchen Einsatz sehr mitgenommen werden. Deshalb wünscht sich Kreisbrandinspektor Erich Reis (Obernburg), dass vom Bayerischen Innenministerium mehr Lehrgänge für die »breite Masse der Feuerwehrleute« angeboten werden.

Oft kümmern sich auch Notfallseelsorger um die Einsätzkräfte. Wenn sie sich diesen aber nicht anvertrauen möchten, müsse man alternative kompetente Gesprächspartner zur Verfügung haben, meint Haak.

»365 Tage im Jahr erreichbar«

Das Notfallseelsorge-Team im Landkreis besteht aus 16 Personen aus dem kirchlichen Dienst. Hauptverantwortlich sind der evangelische Pastor Hans Burkhardt (Kleinheubach) und der katholische Pfarrer Wolfgang Schultheis (Wörth). »Wir sind 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr erreichbar«, erklärt Pfarrer Schultheis, der auch eine SBE-Ausbildung mitgemacht hat. Bei der Notfallseelsorge gehe es in erster Linie um die Verletzten und die Angehörigen der Opfer, aber die Seelsorger seien auch für die Helfer da, wenn das nötig ist. Die Notfallseelsorger seien für die Einsatzkräfte eine große Hilfe, lobt Kreisbrandinspektor Erich Reis.

Auch Norbert Keller, Leiter der Rettungswache des Roten Kreuzes in Miltenberg, schätzt die Arbeit der Notfallseelsorger sehr. »Wenn die Notfallseelsorger die Angehörigen der Opfer betreuen, nehmen sie Druck von den Einsatzkräften, so dass sich diese besser um die Schwerverletzten kümmern können«.

Hilfe von außerhalb besser

Zudem würden die Seelsorger gegebenenfalls auch die Rot-Kreuz-Leute selbst betreuen. Keller hat zwar - wie mehrere seiner Kollegen im Landkreis - auch eine SBE-Ausbildung, doch er findet es problematisch, anderen psychologisch zu helfen, wenn er selbst mit im Einsatz war. Hilfe von außerhalb sei besser, so der Leiter der Wache.

Da das Technische Hilfswerk (THW) im Landkreis meist mit der Feuerwehr im Einsatz ist, gehe die Nachbereitung ebenfalls »Hand in Hand«, erläutert Zugführer Andre Stark (Obernburg). »Und wenn?s härter kommt, helfen die Notfallseelsorger bei der Verarbeitung.«

Bei Ausländseinsätzen, wie zuletzt nach dem Tsunami in Südostasien, seien immer psychologisch ausgebildete Kriseninterventionsteams dabei, die den Helfern bei Bedarf sofort helfen können.

Simon Rehak

 

Psychische Hilfe für die Helfer

Andreas Haak über Stressbewältigung nach Einsätzen

Obernburg. Um nach belastenden Einsätzen Stress zu bewältigen (SBE), wird bei der Feuerwehr in jüngster Zeit Einiges unternommen. Eine wichtige Aufgabe übernehmen da die so genannten »Peers«. Unser Mitarbeiter Simon Rehak sprach mit dem Kleinwallstädter Andreas Haak (43), der im vergangenen Jahr als erster Feuerwehrmann im Landkreis zum Peer ausgebildet wurde.

Was ist ein Peer und was sind seine Aufgaben?
Peer heißt grob übersetzt »einer von uns«. Wenn sich ein Feuerwehrmann an seinen Peer wendet, ist dieser also auch von der Feuerwehr und kennt die Einsatzstrategien und Fachwörter, von denen die Rede ist. Das ist bei Gesprächen oft sehr wichtig. Peers leiten Lehrgänge, um die Feuerwehrleute darauf vorzubereiten, was bei einem Einsatz auf sie zukommen kann. Wenn jemand nach einem Einsatz »psychische« Hilfe braucht, können wir einzeln oder in Gruppen Nachbesprechungen, so genannte »Defusings« machen. Bei größeren Problemen machen wir zusammen mit einer psychologischen Fachkraft »Debriefings«, das sind Nachbesprechungen, die sich über mehrere Sitzungen erstrecken.
Mit wem arbeiten die Peers zusammen?
Defusings und Debriefings sind nicht rein feuerwehrspezifisch: die Teilnahme von anderen Hilfsorganisationen ist möglich. Bei den Nachbesprechungen werden Geistliche einbezogen, sofern das von den Beteiligten gewünscht wird. Es kann auch sein, dass aus Aschaffenburg oder Würzburg ein SBE-Team dazukommt. In diesen Teams sind auch Peers vom THW, von den Johannitern, den Maltesern und anderen Hilfsorganisationen. Mit ihnen treffen wir uns alle zwei Monate in Würzburg zur Fortbildung. Natürlich unterstützt uns auch das Landratsamt, und zwar bei der Fortbildung und den Ausbildungsmaterialien.
Was kann bei der Verarbeitung belastender Einsätze in Zukunft noch verbessert werden?
Wenn SBE kein Schweigethema mehr ist, wird es mehr Leute geben, die mitmachen. Das ist auch notwendig! Die Arbeit im Landkreis könnte besser strukturiert werden, Fachkräfte könnten dazukommen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Wehren und vor allem die Führungskräfte sich mit dem Thema auseinander setzten.

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